“Ich bin ein Berliner”
Vor dem Rathaus Schöneberg, nach dem Bau der Mauer. JFK am Mikro. Dieser Charismatiker gab dieser Stadt mit einem Satz alles, was sie braucht. “Ich bin ein Berliner”
Es gab Monate in dieser Stadt, die hätte ich in meiner Heimat keine zwei Tage durchgestanden.
Berlin ist das beste Schleifpapier, das ich kenne.
Geeignet für Rohdiamanten und beim Feinschliff une connoisseure. Diese Stadt ist für mich, Mann, der ich bin, ein Weib. Ein Widerpart. Sie spült mir fantastische Damen vor die Füße, erhebt ihr Haupt und sagt mit fester Stimme zu mir: “Du bist der Mann, der damit umgehen kann. Ich verlange Alles von dir und werde das Verlangte schnell vergessen. Ich bin Berlin. Du weißt, wann immer Du mich brauchst, werde ich da sein. Ich bin Berlin. Ich fordere und bin.”
“Ja,” antworte ich, “aber was wird sein, wenn die Angst zu groß sein wird, dies alles zu leisten. Wenn ich es aus mir heraus nicht mehr leisten kann? Du forderst und vergißt – wer kümmert sich um meine Kräfte?”
“Du” schallt es zurück, “Du bist dafür verantworlich. Dir habe ich Witzleben gezeigt und Du hast dich dort tapfer geschlagen. Chapeau Monsieur! Und weil du einer meiner intelligenteren Bewohner bist, konntest Rheinsberg im Umland finden.”
Tja – Berlin
Eventuell fahre ich wieder Taxi.
Revolutionäre sind einsame Geschöpfe, manchmal verkümmern sie vor Ort. Manchmal wird etwas aus ihnen. Einer hat in Berlin Wurzeln geschlagen, oder Zwei.
Als ich Augschburg verließ, gaben mir liebe Menschen einen Nickname mit auf den Weg nach Berlin, ‘Veh-Guevara’. Da wohnt eine Menge Fegefeuer in habe ich den Eindruck. Aber der Weg hat sich gelohnt:
Ich bin ein Berliner.
Berlin – dieser Fluchtpunkt – der, wenn er flüchtet, zum Problem wird. Berlin ist für mich eine Herzens-Angelegenheit. Sonst hätte ich mir das niemals angetan. Es ist meine Entscheidung: “Ich bin ein Berliner.”
Fahrphysik
Sie ist gut drauf – das wurde klar nachdem ich ihren Start-Knopf gedrückt hatte. Der zwei Zylinder Vau steht mit allem zur Verfügung, was er hat. Das Fahrwerk willigt ein und jede Kurve freut sich auf eine saubere Linie. Die Maschine hat einen guten Tag. Wir fliegen mit etwas über hundert durch den Wald, sie reitet durch lichte Dome.
Sie wurde in Italien zusammen geschraubt – bislang hat man hierzu von einer Rating-Agentur nüscht jehört. In den Wäldern Brandenburgs würde es ohnehin nur stören.
Der Beginn einer Kurve weiß um sein Ende. Sie rast fliegend und katapultiert mich in Opern.
Weich, ganz weich, zirkeln wir um die Kurven des Werbellinsees. Beethoven, Mozart, Dvorak und der Ritt der Wallküren. Ein italienisches Motorrad von eigener Rasse. Wir rasen durch die Oper und verharren in Stille. So viel Stil wie eine Moto Morini hat.
I bin koi G’radausfahrer und a BMW fahr i au net! Wenn sie durch eine Kurve gleitet und sich als Göttin erweist bin ich auf meiner Maschine. Es ist meine Drama-Queen. Diese etwa knapp 10.000 Teile fügen sich zu etwas zusammen, das ‘Nadra’ heißt.
Das Ding hatte seinen Preis. Die Rechnung habe ich aufbwahrt. Sie liegt sicher bei den Büchern. Wenn Sie oft genug in den Header kucken, können Sie Manches davon sehen.
Nun konfrontieren Sie mal ‘Nadra’ mit Liebe. Also das Nitroglycerin nicht ganz ungefährlich ist, war uns vorher bekannt. Bevor wir uns in die Kurve neigten; so wenig wie Ölspuren.
Die ebenfalls sehr gefährlich sind.
Wüstungen. Morgen möchte ich mit Nadra ein verlassenes Dorf ansteuern. Warum verlassen Menschen einen Ort und steuern einen anderen an?
Underground
Die U-Bahn ratterte und ich tankte Fahrtwind. Die akustische Kulisse ließ es zu, in deine Richtung zu sprechen. ‘Es zerreißt mich.’ Wenn Du nicht weiter gehen kannst, sollten wir jetzt aufhören, denn sonst wirst Du das für mich, was er meiner Meinung nach für dich ist: ‘Er verhindert dich.’ Ich will mich nicht verhindern lassen. Das mag egozentrisch klingen – aber ich will nicht.
Ich liebe Dich – soll dir keine Blumen mehr schenken.
Ich bin kein Opfer
Wildtier