Angst,

the german angst. Wenige Tage vor der EM ist heute ein Jahrestag: 6. Juni 1944, das war D-Day; der längste Tag. Saving Private Ryan – directed by Steven Spielberg. Am Anfang fliegen die Fetzen von menschlichen Körpern. Die Landung in der Normandie war kein Spaß. Das ist jetzt knapp 70 Jahre her. Ich weiß es deswegen so genau weil meine Mutter ‘42 geboren heute 70 geworden ist.

Als ich in der Normandie vor diesen Gräbern stand, konnte ich darauf in manchen Fällen den 6th of June 1944 lesen. Da war meine Mutter zwei Jahre und einen Tag alt. Also meine Mama. Freud wird häufig überschätzt. Er hat sich nun mal sehr gut verkauft. Da war ein Max Stirner weitaus schlechter. Der hat sich was gedacht, der Freud, und das verkauft. Von irgendwas musste Herr Freud nun mal leben. Sorry, ich schweife ab.

Die nächste Generation, hat sie nicht mehr gesehen, nur jene, die davon erzählten, wie sie sahen, wie sie gefallen sind. Wie sie es unter Waffengewalt zerfetzte. Die Vorstellung von Gewalt wird heute anders gefüttert. Wer hat heutzutage einen gewaltsam umgebrachten Toten gesehen? Ich nicht. Da gab es völlig andere Zeiten. Damals hätte ich Dutzende davon gesehen.

Es ist vorbei – das gilt für die Angst ebenfalls.

Lange Nacht in Neukölln

So kann man sich kennen lernen, in einer langen Nacht in Neukölln. Vorher über einen Friedhof gegangen, der keine Gräber mehr hat und jetzt wohl umgewidmet wird. Die Umwidmung eines Friedhofs ist rechtlich nicht ganz einfach in Deutschland. Jüdische Friedhöfe aufzulösen ist ein Frevel. Christliche Kirchhöfe dürfen aufgelöst werden. Was ich sehr stark vermute, sie dürfen nach ihrer Auflösung, gemäß deutschem Recht, nicht als Bauland ausgewießen werden. Darüber können wir in dreihundert Jahren nochmal reden aber nicht jetzt. Das ist meine Vermutung. Also in dreihundert Jahren wird auf mein Grab auch kein Hund mehr gezielt pinkeln. Weil die Zielscheibe fehlt. Ich bin eins von 6 Milliarden Tieren auf dieser Welt – homo sapiens. Ecce homo!

Ein Friedhof weniger in Neukölln. Bevor sie den Friedhof auflösten, konnte ich auf den Grabsteinen aus dern 30ern häufig Worte lesen wie: “Pflichterfüllung”, “Treue”. Seit Jahren gab es auf diesem Friedhof unmittelbar am Ende der Einflugschneise zu Tempelhof keine neuen Toten mehr.

Die gibt es nicht mehr!

Sie sind alle tot. Es graut der Tag, und für mich wird es Zeit – nach einer langen Nacht in Neukölln.

Lagarde und die Griechen

Madame Lagarde ist sowas von Paris, wie ein Liebhaber de la France sich diese Stadt nur vorstellen kann, ohne diese Stadt jemals gesehen zu haben. Jetzt also äußert sich Madame Lagarde unverblümt zu den Griechen – durchaus verständlich. Aber hätte sie sich so geäußert, wenn sie sich am Abend vorher mit einem Barkeeper auf den Kykladen unterhalten hätte. Dass Madame Lagarde mit oder ohne Verband wegen des Meniskus sehr attraktiv ist, hätte ein Grieche sofort erkannt, ohne es zu erwähnen. Griechische Männer sind Machos, denen der Kniefall nicht unbekannt ist.

Mit Hellas gehen wir an die Wurzeln. Immerhin steht der Euro auf dem Spiel – unsere Währung.

Griechen, Madame Lagarde, haben noch nie Steuern gezahlt, sonst wären sie keine Griechen. Steuern sind bis heute für einen Griechen Abgaben an einen Tribun. Die Griechen möge es nicht wenn sie einen Komparativ zugeordnet bekommen. Dafür haben sie Gründe. Wie gut die auch immer sein mögen. Die Revolution ist in Europa angekommen. Und da gehört Griechenland dazu. Wenn wir Griechenland jetzt fallen lassen, werde ich mich persönlich dafür entschuldigen – so geht es nicht.

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