Ein Sonntag im August

Langsam wird der Sommer reif.  Die Last der Sonne zeigt Wirkung. Die Brauntöne mehren sich.

Mein gebrochener Oberschenkel schickt mich in eine Reha in dünn besiedeltes Gebiet. Mein Herz möchte bleiben, aber der Femur braucht Zuwendung. Seine Fraktur hat mir vieles ermöglicht. Jetzt ist es Zeit zu gehen. Wieder Gänger.

Ein du wird mir besonders fehlen, weil es von mir nicht mehr zu trennen ist. Das sind wir. Ohne wir will ich nicht sein. Ich kann auf einem Bein leben. Zwei sind besser. Es ist so einfach,  so uralt. Der Mensch als soziales Wesen. Wenn er es denn schafft, sich zu entgrenzen, kann er der Liebe ihren Lauf lassen.  Das Du ist ohne das Ich so wenig denkbar wie der Berg ohne das Tal, wie die See ohne den Strand. Das mag romantisch klingen. Wer es jenseits versoffener Stunden nach Mitternacht ernst nimmt: Wir können Berge versetzen.

Human beings

Lindenkeller

Was du heute vermisst, hast du tastend damals nicht gefunden. Audi 80, heimwärts, und irgendwann hat einer Erbarmen:

I fahr ganz aloa durch d’ Nacht auf der BAB 3
von Hamburg nach München is’ weit und I schlaf scho fast ei
drum fahr’ I auf an Rastplatz, I brauch jetzt an starken Kaffee
und wiar I grad wieda fahrn wui da sig I’s an der Tankstelln steh
sie schaut so verlorn aus drum sag I zu ihr, steig doch ei
I fahr bis nach München und der Platz neben mir is no frei
sie sagt sie war in Frankfurt – Frankfurt is OK
doch jetzt wuis wieda hoam, nach FFB
nach FFB

Ja sie wui wieda hoam,
Ja sie wui wieda hoam,
Ja sie wui so gern wieda hoam, nach FFB
sie wui so gern wieda hoam, nach Fürstenfeldbruck

Sie schaut verdammt jung aus I schätz’ ungefähr 16 Jahr
sie hat so traurige Augn und schulterlange, strohblonde Haar
aus den Teenagerträumen vom ganz großen Glück is nix worn
und irgendwo unterwegs hat’s wahrscheinlich ihr Lächeln verlorn
I fahr mit ihr schweigend durch d’ Nacht und schalt’s Radio ei
mit 180ge im Schnitt müsst ma bald scho in Ingolstadt sei
doch kurz hinter Nürnberg im Nebel is plötzlich passiert
ja I hab fast nix g’sehn und hab einfach fui z’spät reagiert
fui z’spät reagiert

Ja sie wollt wieda hoam,
Ja sie wollt wieda hoam,
Ja sie wollt so gern wieda hoam, nach FFB
sie wollt so gern wieda hoam, nach Fürstenfeldbruck

Ja sie wollt wieda hoam,
Ja sie wollt wieda hoam,
Ja sie wollt so gern wieda hoam, nach FFB
sie wollt so gern wieda hoam, nach Fürstenfeldbruck

Die Heimat dort unten wirft ein mächtiges Gewicht in die Wagschale. Widerstehen nein, leben ja.

13.9.97

Eine Hoffnung zieht sich in die Länge und wird dabei immer dünner. Noch reißt sie nicht. Unsere Wege haben sich getrennt. Die Linie ist gezogen. … – und am Ende alleine. Kein Grund sich zu beschweren – Auf sich gestellt sein. Bei O anfangen. Zu ahnen, es könnte niemals den Traum erreichen. Die Straße runter an der Ecke, ist nichts.

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