Variations des lundis
Montage, eine Wahl ohne Alternativen.
Wenn die Woche nicht besser wird brauche ich am Mittwoch einen Wodka. Kein Schnaps für Tamara. Am Donnerstag vielleicht einen Arzt. Dabei soll ich am Donnerstag einen Vortrag halten.
Kurz nach neun am Montagmorgen, kurzes Statement zu Eigenkapitalrichtlinien, die nach einer Stadt am Rhein benannt sind. Falsch, es ist nicht Köln. Mit Düsseldorf kommen Sie hier auch nicht weiter. Später dann antreten zum Vorsingen. Peinliche Veranstaltung. Ausgrenzung und Gelächter. Den Gürtel für meine Hose habe ich vergessen. Das mit dem Gewichtsverlust kann bisweilen eine Krux sein. Mittagessen? Gestrichen – sonst verliere ich hier noch meine Hosen.
Ein Carréfour aus dem Lafayette verspeist. Die Tüte gegenüber war kaum zu übersehen. Der Materialaufwand in der Bauindustrie? Sehen’se, am Donnerstag werde ich dazu ein paar Sätze sagen.
Und morgen abend zur SPD, die Finanzmarktkrise diskutieren.
Einmischen. Einfach einmischen.
Revisionisten sind gefragt. Revolutionäre under cover werden gerne genommen. Bis heute hat meine Kohle gereicht, um ihnen die Stirn zu bieten. Diese Stirn, die ich euch geboten habe werde ich nicht meistbietend verkaufen.
“Njet!”
Ein Sonntag im August
Langsam wird der Sommer reif. Die Last der Sonne zeigt Wirkung. Die Brauntöne mehren sich.
Mein gebrochener Oberschenkel schickt mich in eine Reha in dünn besiedeltes Gebiet. Mein Herz möchte bleiben, aber der Femur braucht Zuwendung. Seine Fraktur hat mir vieles ermöglicht. Jetzt ist es Zeit zu gehen. Wieder Gänger.
Ein du wird mir besonders fehlen, weil es von mir nicht mehr zu trennen ist. Das sind wir. Ohne wir will ich nicht sein. Ich kann auf einem Bein leben. Zwei sind besser. Es ist so einfach, so uralt. Der Mensch als soziales Wesen. Wenn er es denn schafft, sich zu entgrenzen, kann er der Liebe ihren Lauf lassen. Das Du ist ohne das Ich so wenig denkbar wie der Berg ohne das Tal, wie die See ohne den Strand. Das mag romantisch klingen. Wer es jenseits versoffener Stunden nach Mitternacht ernst nimmt: Wir können Berge versetzen.
Human beings
Lindenkeller
Was du heute vermisst, hast du tastend damals nicht gefunden. Audi 80, heimwärts, und irgendwann hat einer Erbarmen:
I fahr ganz aloa durch d’ Nacht auf der BAB 3
von Hamburg nach München is’ weit und I schlaf scho fast ei
drum fahr’ I auf an Rastplatz, I brauch jetzt an starken Kaffee
und wiar I grad wieda fahrn wui da sig I’s an der Tankstelln steh
sie schaut so verlorn aus drum sag I zu ihr, steig doch ei
I fahr bis nach München und der Platz neben mir is no frei
sie sagt sie war in Frankfurt – Frankfurt is OK
doch jetzt wuis wieda hoam, nach FFB
nach FFB
Ja sie wui wieda hoam,
Ja sie wui wieda hoam,
Ja sie wui so gern wieda hoam, nach FFB
sie wui so gern wieda hoam, nach Fürstenfeldbruck
Sie schaut verdammt jung aus I schätz’ ungefähr 16 Jahr
sie hat so traurige Augn und schulterlange, strohblonde Haar
aus den Teenagerträumen vom ganz großen Glück is nix worn
und irgendwo unterwegs hat’s wahrscheinlich ihr Lächeln verlorn
I fahr mit ihr schweigend durch d’ Nacht und schalt’s Radio ei
mit 180ge im Schnitt müsst ma bald scho in Ingolstadt sei
doch kurz hinter Nürnberg im Nebel is plötzlich passiert
ja I hab fast nix g’sehn und hab einfach fui z’spät reagiert
fui z’spät reagiert
Ja sie wollt wieda hoam,
Ja sie wollt wieda hoam,
Ja sie wollt so gern wieda hoam, nach FFB
sie wollt so gern wieda hoam, nach Fürstenfeldbruck
Ja sie wollt wieda hoam,
Ja sie wollt wieda hoam,
Ja sie wollt so gern wieda hoam, nach FFB
sie wollt so gern wieda hoam, nach Fürstenfeldbruck
Die Heimat dort unten wirft ein mächtiges Gewicht in die Wagschale. Widerstehen nein, leben ja.
