Ein Sonntag im Kiez

Über den Kiez in dem ich wohne, machen sich die Feuiellons dieser Republik bisweilen Gedanken. An diesem Sonntag habe ich mir Gedanken gemacht und statt sie in einen faulen Sonntag münden zu lassen, ging ich durch meinen Kiez.

Der Prenz’l Berg ist noch nicht tot. Der Prenzlauer Berg scheihnt weitgehend erledigt. Die Mieten in der Oderberger Straße dürften in den letzten Jahren um mehrere 100 Prozent gestiegen sein. *** Der Flohmarkt am Mauerpark: Ein versunkenes Idyll, das gerne fotografiert wird? – Karaoke im Amphitheater. Tja, der Osten.

Noch denke ich gerne im Prenzlauer Berg nach. Aber manchmal bläst der Wind gen Westen. Neukölln wäre eine Alternative.

Coming back to live.

Unter dem Strand knarzen Dielen.

Du lässt dich treiben durch einen Sonntagnachmittag im Mauerpark. Du besichtigst eine Garderobe. 65 Euro soll sie kosten. Als die Besichtigung zu Ende geht höre ich Schritte und sehe das Gesicht einer jungen Frau, welches mir vertraut ist. Da war dieser kurze Flirt vor drei Tagen. Ich erinnere mich. Ihre Schritte entfernen sich schnell. Noch ein Blick auf die Garderobe und meine Schritte sind gelenkt.

Wohin?

Mein  Fahrrad habe ich vor einem Stand abgestellt, der Fahrradteile verkauft. Nunja, am meinem Rad lässt sich so manches leicht abmontieren.  Das fällt mir auf dem Weg zurück ein. Ob die mein Fahrrad …

Nicht mal die Lampe fehlt, als ich zurück komme. Bürgerlichkeit – in Neukölln fehlt die Lampe oder du hast zwei – Proletariat?

Jenseits der Bürgerlichkeit und des Proletariats existiert ein Weg, denke ich.

Es ist eine freiheitlich-demokratische Grundordnung. Die ist es nun mal. Über den Griff zu den Waffen konnten  wir uns eingen.  Damit fertig zu werden, wird schwierig.

Für Nonkonformiten gabe es interessantere Zeiten, aber die Gefahr war damals deutlich höher – Zivilisationsprozesse. Die Freiheiten einer zvilisierten Gesellschaft zu nutzen – solange das geht werde ich diesem Kiez erhalten bleiben. Wenn der Wind sich  dreht, bin ich weg.

***

Gedankensplitter an einem Sonntag.

Ein Parkplatz im November

Parkplätze im November. Vor dir ein Baumark, riesengroß, links ein Möbelhaus XXL, rechts öffnet sich das Gelände ein wenig und gibt den Blick auf Wohnblocks frei, die mit gefühlten 20 Etagen in den Himmel ragen. ‘Shoes for you’ am Horizont. Ein Weißkohl wandert durch die Kollektion Winterstiefel. Und der Weißkohl wandert in eine Plastiktüte.  Gelbschwarz und drauf steht ‘Netto’. Der Park von Sanssouci kann sogar über Asphalt Bestand haben – brutto.

Ich bleibe bei Stefan Stoppok, der von einem “Zauberhaftes Biest” schrieb.

Rutsch mir den Buckel runter
Aber rutsch nicht auf deinen Knien
Jetzt hast Du ja alles gebeichtet
Und ich hab dir alles verziehn

Spar dir doch die Details
Die will ich wirklich nicht wissen
Es hat sicher was mit fremden Betten zu tun
Und mit französischen Küssen

Hör auf zu weinen
Und sag nicht, es tät’ dir leid
Du willst wissen, ob ich jetzt sauer bin
Offen gestanden – nein
Diese ganze Herz-Schmerz-Schnulze
Die bildest du dir ein

Oh Mann
Was tun wir uns an
Gesellschaftsspiele, und wenn die vorbei sind
Was dann?

Da gäb es ein Dutzend Sünden
Ganz abgesehen von den leichten
Nur muß ich dir leider sagen
Ich hab’s nicht so mit dem Beichten

Was wir tun, tun wir freiwillig
Das ist doch kein Knast und keine Kaserne
Doch wenn du schon hier bei mir sein willst
Dann sei es doch bitte gerne

Sonst finden wir uns wieder
Irgendwann irgendwo in der Psychatrie
Es gibt nun mal Momente
Wo man am Ende mit seinem Latein ist
Wie mühsam ist es zu untersuchen
Wer von uns das größere Schwein ist

Die wirklich rostfreie Liebe
Existiert vielleicht doch nur in Büchern
Manche Sachen lassen sich nun einmal
Nicht Vollkasko versichern

Was wir taten war richtig
Zumindest aus unserer Sicht
Doch was kommt dabei heraus
Eine Art Mensch-ärger-dich-nicht

Es ist zum Lachen
Und trotzdem lachen wir nicht
Es war schönes Wetter gemeldet
Und nun stehn wir im strömenden Regen
Wie schaffen wir’s, uns so weh zu tun
Und trotzdem so sehr zu mögen

Dielen knarzen, Lichter brennen, Du bist  zu Hause auf einem Parkplatz im November. Du bis ohne Sorge.

Sans souci mit Widerborsten

Der Zauber vergangener Tage

Er ist dünn wie Eis im März, der Zauber vergangener Tage.

Ein zauberhaftes Biest.

Ich weiß, sie ist nicht ganz genau so
Wie ich sie manchmal seh’
Doch es ist wirklich nicht so wichtig
Daß ich sie ganz versteh’
Egal in welchem Magazin
In welcher Zeitung sie grad’ liest
Ich schau’ in die Augen von ‘nem
Zauberhaften Biest
Sie ist ‘n zauberhaftes Biest
Und ihre Art Moral
Hinterläßt weiß Gott genügend
Neider an der Zahl
Versuch es mal, sprich schlecht von ihr
Wie du dich auch bemühst
Sie ist und bleibt am Ende doch
‘N zauberhaftes Biest

Du siehst, die Schokoladenseite
Die andre sitzt sehr tief
Versteckt in ihrer Tasche
wie’n geheimgehaltner Brief
Wenn panisch jede Logik flieht
So wie sie dich begrüßt
Stell besser klar, du bist jetzt da für ‘n

Zauberhaftes Biest

Soviel zu Kratzbürsten und Widerborsten

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