Scusi signoria

Verfluchen hätte ich sie können. Diese ständigen Nervereien, da geht sie aus, nimmt das Gas schlecht an – meine Maschine. Es ist meine Maschine. Sie kann sich das Öl, das sie braucht, nicht selbst nachfüllen, ähnlich wie Balkonpflanzen. In Marktoberdorf hat sie mich dann verlassen. Zwei hundert Meter Luftlinie entfernt vom aktuellen Wohnsitz einer Verflossenen.

Also die hätte ich bestimmt nicht angerufen, dann eher den ADAC.

Bordwerkzeug – sie verstehen.

Die Pole der Batterie frei geschabt; plus und minus – sie verstehen. Wieder zusammen geklemmt und gestartet. Die Dramaqueen lief wieder. Trotz aller Erwartungen.

Wirklich wohl gefühlt hat sie sich allerdings nicht – darüber haben wir lange Zeit diskutiert auf der Heimfahrt. Und wir hörten uns sehr gut zu. Sie sprach mit mir und wir zogen über die Lande – irgend etwas stimmt mit diesem Motor nicht.

Dann zog er die rote Karte!

Zu wenig Öl – du weißt, worauf ich warte!

So weit zu ihrem Einwand.

Jetzt ist sie fast gänzlich frisch geölt und will nur Eines: fahren.

Die Moto Morini braucht Öl, sonst funktioniert sie nicht. Darüber haben wir lange diskutiert, jetzt sind wir uns einig – sie säuft! Und zwar Benzin und Öl!

Es hat etwas gedauert aber ich habe etwas gefunden, das sehr selten ist. Ich habe meine Maschine gefunden.

In einer Industriegesellschaft mag dieses Bekenntnis unangebracht erscheinen – aber diskutieren sie mal mit einem Sony-Manager auf Sulawesi über den Tod seines Verwandten, der nach alter Väter Sitte bestattet wird. Wie der sich freut, wenn der Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne gelingt. Dieser Mann arbeitete in Tokio – so etwa ‘94 und bestattete seinen Angehörigen in seinem Heimatdorf.

Die Menschen mit denen ich die Opfer-Sau transportierte zu dieser Beerdigung, drängten mich sie zu tragen. Als einer von vieren – na gut, dachte ich, dann tragen wir die Sau ins Dorf. Die Leute jubelten – und wie ich später erfuhr, sie jubelten auch wegen mir. Schließlich ist es eine große Ehre wenn ein Mensch, der so weit gereist ist, sich an der Bestattungszeremonie beteiligt.

Das ist doch nicht schlimm – wenn du beklatscht wirst – Herrgott – schlimm ist es wirklich nicht.

Die Ansichten eines Clowns, der sich die Schminke abstreift.

Tage zur Straße · 02:03h ·  

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