Ungehaltene Reden

“Gib mir den Wein, der mir die Zeit von den Schultern reißt” Sechs Jahre Taxi. Ein Satz.

Danke an euch alle, die ihr meine Fahrgäste, meine Passagiere wart. Ihr seid eingestiegen, ich habe euch gefahren. Wohin ihr wolltet, musstet, solltet. Du kannst dir eben keinen Reim drauf machen. Das war das wichtigste.

Ich habe Sätze gehört, die in ihrer Brutalität zu übertreffen nicht mehr waren. Sätze, die ich nie hören wollte. Sätze, die einen ahnen lassen, warum einer durch die Hand eines anderen stirbt.

Ich habe Menschen gesehen, die zu töten bereit waren, und wussten: “Mach dir bloß die Hände nicht schmutzig.” Töten lassen ist die Formel. In solchen Fällen. Outlaws.

Entschlossene Charaktere, mitunter.

Einen Mann habe ich gesehen, dessen Leben an dem dünnnen Faden einer Antwort seiner Schwester hing. Ob er sie bekommen hat weiß ich nicht. Als ich darum bat, hatte ich Tränen in meinen Augen.

Jahre später sah ich unweit des Münchener Hauptbahnhofs einen Mann von der Straße. “Petra!!!”, schrie er. “Petra!!!” laut in einen Abfalleimer, der an einem Straßenschild angebracht war. Nein, er sagte nicht Fotze, das Mittelstück habe ich allerdings nicht mehr parat. Sein Nachsatz jedenfalls lautete: “Aber die … antwortet mir eh nicht.”

Es ist ein grausames Spiel, zu tippen, welcher dieser beider Menschen der glücklichere ist. Existenzialisten sind sie beide, nolens, volens. Der zweite, hatte allerdings deutlich mehr Glück, als der erste.

Allgemein · 02:12h ·  

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