Sie bog rechts ab auf die autobahn

Es war uns nicht gegeben, ein Paar auf Dauer zu bleiben.
Daran hat auch ihre Narbe nichts gändert.
Obwohl ich sie später sehr vermisste, die Narbe an ihrem Bein.
Es geht hier nicht um hinterlassene Narben. Ihre Narbe hat Eindruck hinterlassen.
Bei einem Motorradunfall hätte sie fast ihren Unterschenkel verloren. Der blieb ihr erhalten. Mit Willen kämpfte sie sich zurück zum Reiten.
Pferde bedeuteten ihr viel, ihre Stärke zwischen ihren Beinen zu spüren. Mit Pferdestärken hatte sie es.
Zur Fahrstunde fuhr sie mit mit einer Kawasaki Z1000.
Ein Führerschein ist nicht alles. Willen braucht man, die behördliche Erlaubnis ist nachgeordnet. Das war ihr Approach.
Kurz bevor ich begann sie zu verlieren, vermutlich, reichte ich Ihr einen Tampon über das Dach ihres Autos. Der fand auf Anhieb seinen Platz.
Sie war zielgerichtet. Völlig ziellos war ich für eine Nacht so glücklich, wie später nicht mehr. Zielgerichtet erreiche ich einen Punkt, hinter dem das bei Zeiten gespürte Glück seinen Platz hat.
Nicht jeder Verlust ist ein Minus.

Behalten konnte ich sie nicht. Dafür fehlten mir die Worte, deren ich mächtig gewesen wäre. Ich war frei, ohne Worte.
Die Worte ließen Jahre auf sich warten. Irgendwann konnte ich davon leben. Jedenfalls vorübergehend.

Im Taxi habe ich an meinem Ausruck gearbeitet. Mich vom stotternden Zweitakter, Zylinder für Zylinder vor geahnt. Pferdestärken bisweilen nicht gewachsen. Kraft im Übefluss kann verstörend sein. Mir pasierten Dinge, die ich beliebig zugordnet hätte.
The story of your life doesn’t press its ass right befor your eyes.
Es lässt dich kommen.

Nach rechts auf die Autobahn abgebogen? Nunja, es war die letzte Begegnung mit ihr.
Ich fuhr Taxi in dieser Nacht, warum ich ihr begegnet bin? Es war zwischen Zylindern, auf denen ich mich entlang tastete.

Wir tranken Kaffee wie verabredet zusammen an der Autobahn. Das Ende hätte ein Anfang sein können. Wir bezahlten den Kaffee. Wir stiegen ins Auto. Du in deins, ich in mein Taxi. Ob die Nebentrecke zum Zubringer behördlich freiggegeben war?
Die letzte Nähe zu ihrer Narbe war kaum mehr als einen Kilometer entfernt.

Ich fuhr hinter ihr, zurück in die Stadt. Sie war auf dem Weg zur Autobahn. Als der schwarze Asphaltstreifen rechts neben ihr breiter wird, setzt sie den Blinker. An aus, an aus, gelbes Licht lustlos reflektiert von schwarzem Asphalt. In meinen Augen brennt dieses simple Lichtspiel.
Sie wechselt die Spur. Die letzte gemeinsame unserer Spuren liegt hinter ihr. Meine Spur ohne Sie vor mir.

Daraus sind bis heute 30 Jahre geworden.

Allgemein · 03:49h ·  

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