Innenansichten eines Rückzuges
Militärisch betrachtet, ist das, was ich hier mache völlig sinnlos. Ich gebe Stellungen auf, die besetzt waren und schmeiß mich aus dem Flieger.
Release.
Der Job ist durch und ich habe diese Reise überlebt. Jetzt soll es also weiter gehen. Die Reifen hinter mir quietschteln laut als ich Aix-en-Provence verließ. Ich bin danach wunderschöne Strecken gefahren. Please let me go! Pacta sunt servanda – it is with the basics.
Nach dem Frühstück ein Pass. So lobe ich mir den Morgen. Der Berg ruft. Knocking on heavens door. The rocker, derjenige, der immer bis an die Grenze seiner Reifen gegangen ist. Keiner, der geradeaus fährt. Einer der die Kurve zu schätzen weiß. Wenn er eins ist mit seiner Maschine. Ich bin weiß Gott nicht schwindelfrei und habe im 43. Stock das Fenster nach draußen verlassen. Blöderweise ging dabei etwas Wesentliches schief. Jetzt kann ich also einpacken, oder ohne weitermachen. Am dritten Tag dieser Reise hätte ich nicht geglaubt, das Alles zu überleben. Der Lebenswille steht vor einem Bild, das einen grausamen Titel trägt.
Bevor ich den Auffahrunfall hatte, ereignete sich etwas Sonderbares. Ich bin lange Motorrad gefahren durch die Dordogne. Mit wunderschönen Strecken. Ich machte eine Rast und fuhr die letzte Etappe. Ein Wagen, trés rusticale fuhr vor mir. Hellbraun lackiert. Plötzlich sehe ich einen Hund vor diesem Auto. Ich denke mir: Das geht nicht gut. Er könnte passieren aber er müsste riskieren. Er riskiert nichts und fährt einfach geradeaus weiter. Für einen Moment habe ich Hoffnung für diesen Hund der unter jenem Auto verschwindet. Vielleicht schafft er es. Jedoch ein Knall, und es ist klar er schafft es nicht. Der Fahrer hat nichts riskiert und der Hund windet sich auf der Straße im Todeskampf. Ich passiere. Wenn ihm Gnade widerfährt hat er nur noch wenige Sekunden. Das Rückgrat ist vermutlich gebrochen. Er hat sich jedenfalls ernsthaft verletzt. Der Hund dürfte diesen Moment kaum mehr als wenige Minuten überlebt haben, er ist vor mir gestorben. Es war ein Golden Retriever. Er hat dieses Auto angesehen und hat es einfach nicht kapiert. Das kostete ihm das Leben. Es tat mir unendlich leid an diesem sterbenden Tier vorbeizufahren. Er gab Laute von sich, die ein wirklich letzter Hilfeschrei sind. Mir war aber auch klar, der ist bissig. Dem ist von mir nicht mehr zu helfen, wenn es noch einer kann ist es ein Anderer. Etwa ein halbe Stunde später hat mich einer abgeschossen.
Reisen; wirf dich auf die Wellen, sie werden tragen. Und jetzt?
Es gibt außerhalb meiner Wohnung keinen Rückzug mehr. Auf mich selbst geworfen. Smash your own face.
Die Klinge eines Selbergeschnitzten braucht einen Wetzstein.
Das ist nach wie vor alles – nur keine klare Haltung, wenn du mich fragst. Aber das tust du ja nicht.
P.S. Überhaupt:”Militärisch betrachtet” ?!? Wird hier ein Krieg geführt?