Irgendwo kracht es immer
Langsam ganz langsam erhebt sich das Schwarz zum Blau. Wenn ihr wirklich wollt, kann ich mich um das Geld kümmern. Von Finanzen verstehe ich etwas. Mein Gemeinsinn mag überentwickelt sein, aber wenn sie zu lange weint, werde ich nervös. Ich kenne die Gründe, ich weiß um sie.
Irgendwo kracht es immer.
Grund genug zu weinen, aber kein Grund zu plärren.
Wir tanzen meine Liebe mit einer frischen Drainage, Dafür sind wir hart genug!
Wein
Über den Gebrauch von Wein gehen die Meinungen weit auseinander. Es gibt nicht wenige, die würden meinen Gebrauch von Wein glatt als Alkoholismus bezeichnen. Es derart zu stigmatisieren, geht an der gesselschaftlichen Realität glatt vorbei.
Nein es ist eben kein Alkoholismus, nur weil ich mich zum Gebrauch von Genussmittteln bekenne, bin ich kein Alkoholiker. Raucher – mag sein.
Willy Brandt hat gesoffen – Franz Josef Strauß ebenfalls.
Der Schmidt ist der Letzte, der in einem Fernsehstudio rauchen darf. 1977 – Mogadischu – Herr Schmidt, darf ich ihnen noch einmal Feuer geben.
Was kommt nach Ihnen?
Gegen meine Angst hatte ich nur mich. Der Bundesvater meiner Jugend wird sterben. Helmut du wirst fehlen, denke ich mir manchmal. Auf seiner Visitenkarte soll es nur zwei Zeilen geben. Eine Zeile mit dem Namen, eine mit der Telefonnummer.
Tja, schauen Sie sich diese Gesichter mal heute an im Fernsehen. Die letzte erfreuliche Erscheinung war für mich Heiner Geißler und der ist 80. Und dann?
Fehlanzeige – oder es wird zumindestens schwierig.
Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, aber ich kenne keine bessere. Wir leben seit 65 Jahren in Frieden. Hier wachsen Generationen heran, die wären vor 50 Jahren undenkbar gewesen.
Können Sie sich einen russischen Panzer vorstellen, der vor dem Kaffee Burger steht, um Wladimir Kaminer endgültig zur Aufgabe zu zwingen.
Ich kann es mir nicht vorstellen und ‘Mein Kampf’ verstaubt im Bücherregal.
Innere Sicherheit
Der Innenminsister macht ein ernstes Gesicht. So ein ernstes Gesicht wie die zwei Polizisten in blau, die mir auf dem S-Bahnhof Friedrichstraße entgegenkommen. Um den Leib tragen sie kugelsichere Westen, die Splitter abwehren. Einer trägt vor der breiten Brust eine vollautomatische Waffe, die nach beiden Seiten übersteht – ein Maschinengewehr.
Vor mir tauchen Bilder auf: Flughafen München-Riem 1977. Was ich bislang nur aus dem Fernsehen gekannt hatte, sah ich damals vor mir. Ein Bulle in grün mit einer Heckler&Koch um den Hals. Oder Straßenkontrollen, die ich gebannt vom Rücksitz aus verfolgte. Mein Vater sah wohl irgendeinem Typen ähnlich, dessen mürrisches Gesicht auf einem Plakat zu sehen war, das man damals häufig sah.
Vor mir am Bahnsteig steht eine junge Frau zusammen mit ihrer Mutter. Sie lacht und sagt zu ihrer Mutti: “Boaah eh, haste den Typen mit der Wumme gesehen. So watt kenn ick nur aus Counterstrike.”
Ich denke kurz an Explosionen, umbaute Räume, dicke Wände, Druckwellen, Bersten und Splitter.
Homo ludens.
Bevor es ernst wird, wollen wir noch ein bisschen spielen. Verspielt wie wir sind.