Es ist ein Aufzug

Den zweiten Weltkrieg überlebt. Den Ersten bereits gesehen. Als er gebaut wurde, war er ein Wunder.
Ohne Mühe das Stockwerk zu wechseln. Die gewünschte Etage zu erreichen ohne zu steigen. Technik, eine Maschine, die Menschen bewegt mit Strom.
Dafür sind Watt erforderlich, Ampere und ja irgend einen Tesla gab es auch noch. AEG, Siemens Halske, als Berlin noch nicht wusste wie es ist, mit Bomben traktiert zu werden und im Straßenkampf zu fallen. Bis auf einen Rest zu verschwinden.
Aufwärts nach oben, die nächste Etage nicht nur erstreben, sondern erreichen. In der Clausewitz-Straße, Charlottenburg.
Er konnte es. Bis heute kann er es. Hölzern, eingefasst von einem filigranen Geflecht aus Stahl. Und einem Motor, der ihn treibt. Darüber schweigt er lautlos. Er hat ihn. Genug, um jede Etage zu erreichen, auf Knopfdruck.
Nach über 100 Jahren nimmt er sich Rechte raus. Steckenbleiben ist möglich. Manchmal fehlt der Wille, trotz Watt und Ampere. Für Tesla fehlt ihm das Verständnis. Das Interesse sowieso.

Schon allein wegen der verbrannten Kalorien wäre es ratsam, die Treppe zu nehmen. Analog eine Stufe nach der anderen zu steigen.

Hinter einem Gitter steht er bereit, jede Etage zu erreichen in diesem Haus. Vom Wunder ist er zu einer Option geworden.
Dett is ihm Mampe. Ändern kann er es nicht, selbst als die Herren von der SS zum Puff im dritten Obergeschoss wollten, war er gefügig. Siemens Halske ist keine moralische Institution, oder ist es die AEG?
Er redet nicht. Er schwebt ein auf Knopfdruck. Hat der englische Adel mit Butlern über Politik diskutiert? Zu dieser Frage ist er ohne Meinung.
Es ist ein Aufzug.
Würde ist ihm unbenommen. Es schwebt über 100 Jahre.

Endlich

Jetzt stehen sie an: die 100er Jahrestage. Der erste Weltkrieg ist 1914 ausgebrochen.
Als ich geboren wurde waren sie noch unterwegs, die Veteranen. Die Blessierten des WK1.

Welche Feiertage werden als solche wahrgenommen? Der Tag der Offensive in Verdun.

Als das große Schlachten, die große Schlacht begann. Der Sturm auf den toten Mann.

Es soll weit verzweigte Verwandte geben, die all jenes nicht überlebt haben. Gefallen unter französischen Kugeln – Boules?

Über welche Feiertage werden wir unseren Kopf senken? Welche Trauer über Menschen, die wir nie gekannt haben.

Die uns auf alten Photos so verdammt ähnlich sehen. Mit etwas Glück wird die Ähnlichkeit verschwimmen – ja es gab diesen Krieg. Es gab dieses Sterben in den Schützengräben.

Ich habe keine Tochter, keinen Sohn, but remember death with no sense. Es war sinnlos – endlich dürfen wir darauf hoffen, es wird sich nicht wiederholen. Der tote Mann als Mahnmal. Vernichtende Granaten in einen Gang aus dem es kein Entrinnen gab.

Lasst uns Fußball spielen.

Memento … C.

Schwarze Lettern in der Tageszeitung der Kindheit: Lebensdaten, die stimmig sind. Ein eher seltener Name und ein ungläubiger Blick auf ein Datum hinter einem Kreuz. Ist er tot? XT 500 gefahren und immer wieder irgendwo getroffen und jetzt einfach nicht mehr vorhanden? Ausgehaucht, Schluss aus vorbei?
Ja.

Am Karfreitag im 47. Lebensjahr eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht, ein Herz, das nicht dafür gebaut war fünfzig zu werden. Ein eher heller Euphemismus ging von ihm aus. Der Tod hat kein Verständnis für Euphemismus, er ist.

Weggefegt ohne Rücksicht, für gewöhnlich stellt der Tod keine Fragen. Auf einer XT 500 sitzt jetzt meistens der Probo, das hat Mr. Death zu verantworten.

Mit seinem Euphemismus.

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