Kurz vor drei
Es gibt Texte, die sind ein Leitfaden, wenn es wirklichh schwierig wird, bisweilen mögen sie banal sein, nicht kompatibel sein. Nicht jedem ist es gegeben, zu gestehen, er würde ein Vaterunser beten, wenn ihm danach sei. Sagen darf man es. Es ist schlicht und mag sein.
Rotes Haar und hinterher wusste ich nicht mehr wohin. Diese Frau, deren Namen ich nie erfahren habe.
Meine Freundin hätte an diesem Punkt klüger agieren können. Naja, was solls! Ob ich diese Stadt ohne diesen Tanz je erreicht hätte, weiß ich nicht. Berlin – und nie ins Bett?
Anyway, es ist ein Fundstück
Er trifft alles, was ihm vor die Flinte kommt
er ist sensationell
schon der erste Blick greift gierig
jeder Frau ans Fell
Das feuchte Glitzern seiner Augen auf der Haut
tut dir so gut
es jagt dir Starkstrom durch die Nerven
und verdünnt dein zähes Blut
Hurensöhne wissen nicht, was Liebe ist
Hurensöhne wissen, wie man Liebe macht
Hurensöhne schwören nicht und lügen nicht
denn sie kommen und sie gehn in einer Nacht
Dein satter, prahlerischer Stolz
ist ganz genau das, was er braucht
die Fläche an der er sich reiben kann
und er flammt wie ein Zündholz auf
Hurensöhne wissen nicht, was Liebe ist
Hurensöhne wissen, wie man Liebe macht
Hurensöhne schwören nicht und lügen nicht
denn sie kommen und sie gehn in einer Nacht
Doch seine Leidenschaft ist kalt wie Eis
er handelt mit Bedacht
er spannt deine Sinne wie Saiten und bald
hat er sie zum singen gebracht
Hurensöhne wissen nicht, was Liebe ist
Hurensöhne wissen, wie man Liebe macht
Hurensöhne schwören nicht und lügen nicht
denn sie kommen und sie gehn in einer Nacht
(Tamara Danz, Silly)
Ungehaltene Reden
“Gib mir den Wein, der mir die Zeit von den Schultern reißt” Sechs Jahre Taxi. Ein Satz.
Danke an euch alle, die ihr meine Fahrgäste, meine Passagiere wart. Ihr seid eingestiegen, ich habe euch gefahren. Wohin ihr wolltet, musstet, solltet. Du kannst dir eben keinen Reim drauf machen. Das war das wichtigste.
Ich habe Sätze gehört, die in ihrer Brutalität zu übertreffen nicht mehr waren. Sätze, die ich nie hören wollte. Sätze, die einen ahnen lassen, warum einer durch die Hand eines anderen stirbt.
Ich habe Menschen gesehen, die zu töten bereit waren, und wussten: “Mach dir bloß die Hände nicht schmutzig.” Töten lassen ist die Formel. In solchen Fällen. Outlaws.
Entschlossene Charaktere, mitunter.
Einen Mann habe ich gesehen, dessen Leben an dem dünnnen Faden einer Antwort seiner Schwester hing. Ob er sie bekommen hat weiß ich nicht. Als ich darum bat, hatte ich Tränen in meinen Augen.
Jahre später sah ich unweit des Münchener Hauptbahnhofs einen Mann von der Straße. “Petra!!!”, schrie er. “Petra!!!” laut in einen Abfalleimer, der an einem Straßenschild angebracht war. Nein, er sagte nicht Fotze, das Mittelstück habe ich allerdings nicht mehr parat. Sein Nachsatz jedenfalls lautete: “Aber die … antwortet mir eh nicht.”
Es ist ein grausames Spiel, zu tippen, welcher dieser beider Menschen der glücklichere ist. Existenzialisten sind sie beide, nolens, volens. Der zweite, hatte allerdings deutlich mehr Glück, als der erste.
Warten
Wer lange genug wartet, kann ihn finden; den Fels, der ihn zerschmettert.