Gehen

Wenn du nach sechs Monaten das erste Mal wieder auf zwei gesunden Beinen gehst, ist das die Schönheit, die in einer Blüte liegt, die sich aufrichtet. Aufrichtig wie sie ist. Ja – jetzt denke ich an einen Frauenschuh. Dabei hätte es Alles ganz anders kommen können. Jetzt gehe ich auf zwei Beinen. Tatsächlich – es ist das erste Mal in meinem Leben.

Entgrenzung

Ich weiß, was ich vermisse. Darüber zu verfügen habt ihr kein Recht. Und wenn ich nichts vermisse habt ihr euer Recht verloren. Meint ihr wirklich dieses Gehirn ist wehrlos. Ihr könntet es weichkochen? Jenes Gehirn, welches Nadra steuert über rutschige Steine? Ich weiß um mich, um Euch brauche ich nichts mehr zu wissen. Ich weiß genug.

Innere Sicherheit

Der Innenminsister macht ein ernstes Gesicht. So ein ernstes Gesicht wie die zwei Polizisten in blau, die mir auf dem S-Bahnhof Friedrichstraße entgegenkommen. Um den Leib tragen sie kugelsichere Westen,  die Splitter abwehren. Einer trägt vor der breiten Brust eine vollautomatische Waffe, die nach beiden Seiten übersteht – ein Maschinengewehr.

Vor mir tauchen Bilder auf: Flughafen München-Riem 1977. Was ich bislang nur aus dem Fernsehen gekannt hatte, sah ich damals vor mir. Ein Bulle in grün mit einer Heckler&Koch um den Hals. Oder Straßenkontrollen, die ich gebannt vom Rücksitz aus verfolgte. Mein Vater sah wohl irgendeinem Typen ähnlich, dessen mürrisches Gesicht auf einem Plakat zu sehen war, das man damals häufig sah.

Vor mir am Bahnsteig steht eine junge Frau zusammen mit ihrer Mutter. Sie lacht und sagt zu ihrer Mutti: “Boaah eh, haste den Typen mit der Wumme gesehen. So watt kenn ick nur aus Counterstrike.”

Ich denke kurz an Explosionen, umbaute Räume, dicke Wände, Druckwellen, Bersten und Splitter.

Homo ludens.

Bevor es ernst wird, wollen wir noch ein bisschen spielen. Verspielt wie wir sind.

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