Zwei Damen – ein Blick

Grün waren sie sich wirklich nicht – aus guten Gründen.

Ich stand hinter der Dame, die einen Blick stemmen musste, der einer großen Inszenierung von ‘Carmen’ durchaus würdig gewesen sein wäre.

Sich von einer derartigen Dame persönlich zu verabschieden – ja, die Etikette.

Der Name machte mich schon vor Monaten stutzig.

München – Hbf

Es ist wohl der Westausgang, jedenfalls jener der zur Wies’n führt, die im Westend liegt. Wenn du diesen Ausgang verlässt stehst du am Anfang der Goethestraße, über die ich in der SZ einen wunderbaren Artikel gelesen habe vor etlichen Jahren. Türkische Gemüsehändler, Wettbüros, eine Buchhandlung im oberen Teil. Trashbuden und solche, die Döner verkaufen. Ich bin diese Straße oft lang gegangen und habe sie geliebt. Dieses Sperrige, dieses Ächzen und Stöhnen. Pornoshops – danach bitte einen Kaffee oder gleich zum Bahnhof. Er befindet sich schließlich in Sichtweite.

In einer Paralellstraße zur Goethestraße kam mir ein Herr in den Jahren entgegen. Einer jener Spinnner, für die München g’rad’ no gnua Platz hat!

Er steuerte direkt auf einen Mülleimer zu, der an einem Straßenschild hing. Das Ding war orange gestrichen, es war public und es war überdacht.

Fast presste er seine Lippen durch den schmalen Schlitz zwischen orangenem Blech und schrie: “Petra!!!”

Das hallte.

Als er wegging murmelte er vor sich hin, ‘vermutlich hört sie wieder nicht, die alte Fotze!’

Wow – dachte ich mir, als er mich passierte – hier will es einer offenbar wirklich wissen.

Immerhin!

Der den er passierte, der will es offenbar auch wissen.

Ma hatte es häufig nach München gezogen. Ich mochte die Stadt von Kindesbeinen an.

München – das war die andere Welt – die Welt jenseits der Mauern. Die Jungs waren durchgeknallter und als ich diesen Typen in einer Parallele zur Goehtestraße traf, dachte ich mir, vielleicht haben wir uns vor zwanzig Jahren schon einmal gesehen.

Der Sound jedenfalls war mir vertraut.

Der Klang von Asphalt.

Den Schlag in der Hand

Warum zum Teufel, fragte ich mich, warum lässt du sie das jetzt alleine machen. Weil du gefühlt in Filzpantoffeln auf der Straße stehst. Weil du sie das erste Mal zum Taxi bringst?

Und es ist lediglich bunt bedrucktes Papier – etwas, das in manchen Momenten ein unglaubliches Kommunikationsmedium sein kann.

Ich nehme es nur, wenn Du den Schlag aufhältst und bezahlst den Fahrer dieses Taxis.

Ja, meine Liebe, das sind die Ansprüche, die du an mich stellen kannst. Ich werde sie wohlwollend prüfen. Die Wahrscheinlichkeit diesen Esel dann auf der Hochebene einer griechischen Insel sturer zu finden, als er vorher war, schwindet seit zwei Monaten – im Gegenteil.

Mit dir komme ich vorwärts, es mag hart sein, das Unglaublich habe ich hier gestrichen, aber die Wahrscheinlichhkeit zu wissen, wer Du bist, ist exorbitant hoch.

Alles Weitere Morgen.

Wir hören;

diese Suite hat mir jener geschenkt, der über dem Festland von Hellas grinste. Der, der mir sagte, Junge du bist nicht normal, pero si bene!

Für die Damen in Osnabrück ist heute etwas zusammen gebrochen, als ich ihnen sagte, ich gehe. Und ich wurde persönlich. Du weißt, du kannst nichts mehr ausrichten, es lediglich geschehen lassen. Du weißt, du gehst. Die Wärme bleibt, nur die Distanz verändert sich. Ob sie für eine Rückkehr reicht, wir werden sehen, die Damen in Osnabrück und ich. Der, dem das Wasser zu Kopfe steigt und der immer noch den Wasserspiegel knapp unterhalb des Lids halten kann, ist es nicht Wurst, er weiß lediglich um seine Beherrschung.

Als ich vor dem Congresstower in Frankfurt stand und das erste Mal verifizierte, wie sehr mir jetzt der Himmel auf den Kopf fallen kann, hatte ich Angst.

Aus guten Gründen

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